KI & Unternehmenskultur: Wo bleibt der Mensch? | Be Yourself Academy

von | 05.10.2026 | Blog

KI macht Unternehmen effizienter. Macht sie uns auch menschlicher?

Stellen Sie sich vor, Künstliche Intelligenz schenkt jedem Menschen in Ihrem Unternehmen ab morgen eine Stunde pro Tag.

Eine Aufgabe, für die heute noch 60 Minuten nötig sind, ist plötzlich in wenigen Minuten erledigt.

Was passiert mit der gewonnenen Stunde?

Wird daraus einfach der nächste freie Slot im Kalender? Steigt die Zahl der Aufgaben, weil jetzt noch mehr möglich ist?

Oder nutzen wir einen Teil dieser Zeit für etwas, das in vielen Unternehmen mindestens genauso knapp geworden ist wie Zeit selbst:

echte Aufmerksamkeit füreinander?

Diese Frage beschäftigt uns in der Be Yourself Academy gerade sehr. Denn wir freuen uns über die Möglichkeiten von KI. Wenn Technologie Menschen Arbeit abnehmen kann, ist das eine großartige Entwicklung.

Nur entscheidet die Technologie nicht, was wir mit der gewonnenen Zeit machen.

Das tun wir.

Vielleicht beginnen wir mit 90 Sekunden

Wir kennen diese Situation wahrscheinlich alle. Wir sitzen mit einem Menschen zusammen. Das Gespräch läuft. Irgendwann steht unser Gegenüber kurz auf.

Und fast automatisch wandert die Hand zum Handy.

Da ist plötzlich eine kleine Lücke entstanden. 90 Sekunden vielleicht. Und wir füllen sie.

Dabei wartet dort häufig nichts, was nicht noch 90 Sekunden warten könnte.

Genau deshalb lohnt sich vielleicht ein kleines Experiment: Was passiert, wenn wir diese Lücken wieder aushalten? Wenn ein freier Moment nicht sofort produktiv werden muss? Wenn wir einen Gedanken einmal zu Ende denken?

Oder wenn wir einem Menschen unsere Aufmerksamkeit schenken, ohne dass gleichzeitig ein Smartphone zwischen uns liegt?

Effizienz ist noch keine Unternehmenskultur

KI kann Prozesse beschleunigen und uns Aufgaben abnehmen, für die Menschen heute viel Zeit benötigen.

Aber keine dieser Möglichkeiten beantwortet die Frage, wie wir miteinander arbeiten wollen.

Das zeigt sich an anderer Stelle.

Zum Beispiel wenn eine Führungskraft zehn Meter über den Flur geht, sich zu einem Mitarbeiter setzt und fragt:

„Wie geht es dir eigentlich?“

Und dann sitzen bleibt, bis die Antwort kommt.

Nicht weil es im Führungshandbuch steht. Sondern weil der Mensch sie interessiert.

Genau in solchen Momenten entsteht Unternehmenskultur.

Nicht nur im Strategiemeeting.

Sondern fünf Minuten später an der Kaffeemaschine.

Vielleicht brauchen Unternehmen neben der KI-Strategie eine Menschlichkeitsstrategie

Unternehmen beschäftigen sich zu Recht damit, wie sie Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen können.

Wir möchten eine zweite Frage danebenstellen:

Was soll in unserem Unternehmen menschlicher werden, während unsere Technologie intelligenter wird?

Darauf muss nicht sofort eine fertige Strategie folgen. Vielleicht reicht es für den Anfang, genauer hinzuschauen.

Was passiert bei uns, wenn etwas schiefläuft? Erleben Menschen die Werte, die auf unserer Homepage stehen, auch dann, wenn es gerade stressig wird? Und wie viel Raum haben wir im Alltag noch für echte Begegnung?

Denn eine Caring Company entsteht nicht dadurch, dass sie Menschlichkeit in ihr Leitbild schreibt.

Sie entsteht dort, wo Menschen Menschlichkeit erleben.

Eine Einladung für morgen

Nehmen Sie sich morgen 90 Sekunden.

Legen Sie bei einem Gespräch Ihr Handy außer Reichweite und seien Sie einfach bei dem Menschen vor Ihnen. Hören Sie zu. Wenn eine kleine Pause entsteht, lassen Sie sie entstehen.

Vielleicht verändert das noch nicht Ihre gesamte Unternehmenskultur.

Das muss es auch nicht.

Kultur entsteht schließlich jeden Tag.

Und vielleicht liegt genau darin eine der größten Chancen von Künstlicher Intelligenz:

Sie kann uns Zeit schenken.

Was wir daraus machen, bleibt menschlich.